Was bedeutet erfolgreich Lernen an der besten Schule Deutschlands 2011?

100.000 Euro von der Robert-Bosch Stiftung für die beste Schule Deutschlands. Am 10. Juni 2011 überreichte Bundespräsident Christian Wulff der Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule den begehrten Deutschen Schulpreis 2011.

Im folgenden finden Sie Originalauszüge aus dem Schulportrait des Hauptpreisträgers 2011.

Die Zitate wurden umgruppiert und Überschriften zugeordnet. Dadurch wird deutlicher was erfolgreich Lernen an dieser Schule bedeutet.

Um das sehr lesenswerte ganze Portrait zu lesen, folgen Sie bitte diesem Link.

Sie suchen die beste Schule für Ihr Kind? Folgen Sie einfach dem Link am Ende dieses Artikels.

Hintergründe

Vor 35 Jahren wurde die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule von Wissenschaftlern, Lehrern, Eltern, Politikern und Architekten als Gegenmodell zum klassischen dreigliedrigen Schulsystem entwickelt.

… In der Oberstufe trifft man viele Schüler … denen die Lehrer in der Grundschule das Abitur nicht zugetraut haben.

2010 machte die beste Abiturientin des Bundeslandes [Niedersachsen] … hier ihr Abitur, 25 Prozent der Schüler hatten eine Eins vor dem Komma bei ihrem Abschlusszeugnis.

Nicht nur beim Kriterium Leistung erhielt die IGS die Bestnote A, auch bei den übrigen fünf Kategorien des Deutschen Schulpreises … schnitt sie hervorragend ab.

Zusammenfassung des Erfolgsrezepts

Der renommierte Hirnforscher Gerald Hüther begleitet die IGS seit zehn Jahren. Er sagt: „An dieser Schule wird hirngerecht gelernt: Die Kinder erschließen sich den Stoff selbstständig. Sie haben Freude am Entdecken. Dadurch werden neuroplastische Botenstoffe ausgeschüttet, die wie Dünger aufs Gehirn wirken.“ So macht Lernen glücklich.

Lernen mit Kopf

Die Ganztagsschule hat einen hohen Leistungsanspruch, auch wenn es bis zur achten Klasse keine Noten gibt und von der fünften bis zur zehnten Klasse Haupt- und Realschüler gemeinsam mit Gymnasiasten lernen.

Lernen mit Herz

Josephine wechselte vor einem Jahr an die IGS; die 17-Jährige hielt den Druck am G8-Gymnasium nicht mehr aus. „An meiner alten Schule herrschte eine Ellenbogengesellschaft. … Die Lehrer haben bewusst die Konkurrenz geschürt. Hier ist es ganz anders. Meine Klassenkameraden kommen auf mich zu, um mir zu helfen.“

Lernen mit Hand

Die Neuntklässler sollen nicht nur die Formeln zur Berechnung von Körpern und Flächen lernen, sie basteln auch Modelle aus Holz, damit sie die Dimensionen buchstäblich begreifen. Heute sollen sie die Oberfläche eines 3-seitigen Prismas berechnen.

Selbstverantwortliches Lernen

Jeder Schüler entscheidet selbst, welche Aufgaben er löst. Aber das 6er-Team ist dafür verantwortlich, dass alle mitkommen.

Heterogene Gruppen als Keimzelle für kommunikatives Lernen

An fünf Tischen diskutieren die 30 Schüler Lösungsansätze und Formeln. Es herrscht eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre.

„Anna sagt mir, wenn ich mich besser konzentrieren soll“, sagt Mehtap. Und wenn es mal Zoff gibt? „Wir klären immer gleich, wenn was nicht klappt“, sagt Gretje, 14.

Hirnforscher Hüther sagt: „In heterogenen Gruppen lernen Kinder besser. Verschiedenheit ist die Voraussetzung für Individualität. In homogenen Gruppen lernen Schüler nur, sich abzugrenzen.“

Förderung erfolgreicher Kommunikation

Wolfgang Vogelsaenger, Schulleiter der IGS, sagt: „In der Tischgruppe sitzt der zukünftige Maurer neben dem späteren Architekten. Wenn sie bei uns gelernt haben, miteinander zu sprechen und zu arbeiten, dann schaffen die das auch als Erwachsene.“

Eine von Vertrauen geprägte Schüler-Lehrer Beziehung

An der IGS sind alle per Du, sogar den Schulleiter nennen alle nur „Wolfgang“. Das Duzen wirkt weder kumpelhaft noch anbiedernd, sondern ganz natürlich. Es ist Teil der Schulkultur.

„Ich finde es gut, dass wir die Lehrer duzen, wir vertrauen denen echt. Und die tun auch was dafür. Steffi fragt nach, wenn man traurig guckt“, erzählt Mehtap. …

Entfaltung des Selbstbewusstseins

Margot L [Mutter] sagt: „… Mein Sohn ist ein Einzelgänger. Ich glaube nicht, dass er sich an einer anderen Schule so geöffnet hätte.“

Entfaltung von gegenseitiger Wertschätzung

Jörg M. [Vater] war zunächst skeptisch als erst seine älteste Tochter Merle und dann Gretje auf die Gesamtschule gehen wollten. „So lange keine Noten – die müssen doch wissen, wo sie stehen, dachte ich. Ich wollte lieber ein Gymnasium, nicht so eine Schulform, die man nicht so kennt“, sagt er.

Aber inzwischen ist er restlos überzeugt: „Mich beglückt es zu sehen, wie sicher unsere Kinder ihre Arbeit präsentieren, wie sie sich wertschätzen, egal wie unterschiedlich sie sind. Das erlebt man nicht häufig im Arbeitsleben.

Rolle der Lehrkräfte: Lernbegleiter

… An der IGS sind die Lehrer keine Pauker, die vorn an der Tafel stehen und Monologe halten, sondern Lernbegleiter. Jede Klasse hat zwei Klassenlehrer, die Tutoren.

Die sechs Stammgruppen mit 180 Schülern eines Jahrgangs sind um ein sogenanntes „Cluster“ angelegt, ein offener, heller Raum. Er dient als Arbeits und Treffpunkt für Schüler und Lehrer.

Auch das Lehrerzimmer für den Jahrgang findet man hier. Die Türen stehen immer offen. 12 bis 15 Lehrer bilden ein Jahrgangsteam. Sie gestalten die Stundenpläne, regeln die Aufsicht in den Pausen, vertreten sich gegenseitig, besprechen die Rhythmisierung des Stoffs oder wie sie mit Schülern umgehen.

„Wir sind dichter dran, als manchem lieb ist“, sagt Florian Scholz, 39. Der Lehrer hat bei einem seiner Schüler eine Bierfahne gerochen. Der Junge wurde nach Hause geschickt, die Eltern werden zum Gespräch gebeten. Jetzt haben alle Kollegen ein Auge auf den Jugendlichen.

Präsentation des Gelernten, auch zu Hause

Viermal im Jahr präsentieren die Schülerteams ihre Arbeiten zu Hause vor ihren Müttern und Vätern. [Neudefinition des Elternabends]

Die Eltern hocken dicht gedrängt auf der Eckbank unter der Weltkarte an der Wand. Stühle werden rangerückt, damit auch ja alle sechs Jugendlichen und die acht Erwachsenen Platz um den Esstisch aus Kiefernholz finden. Vor ihnen stehen Brötchen, belegt mit Wurst und Käse. Die Mädchen haben am Nachmittag Wurzeln und Gurken geschnippelt, Dipp vorbereitet und Fruchtquark selbst gemacht.

Maurice und Finn suchen nach einem Platz für ihr blaues Plakat. „Können wir die Pappen an den Küchenschrank kleben?“, fragt Gretje. Ihre Mutter nickt. Gretje sucht Tesafilm in einer Küchenschublade. Die Jungs heften das Papier an den Schrank. „Also, wir haben in Mathe gerade das Thema ‚Unter Dach und Fach‘. Wir berechnen Seiten von Dächern, also von Prismen“, erzählt Maurice. Finn hält das Modell eines Prismas hoch, Maurice erklärt die Formeln.

Bei den Tischgruppenabenden präsentieren die Schüler nicht nur, was sie in den Fächern Naturwissenschaften, Deutsch und Englisch erarbeitet haben, sondern wie bei jedem normalen Elternabend werden auch Konflikte in der Klasse besprochen, die Eltern erfahren alles über die nächste Klassenfahrt oder das anstehende Praktikum.

Lob der hochkarätigen Jury

„So einen Unterricht habe ich noch nicht erlebt“, sagt Hans Anand Pant, Direktor des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB). Der Professor ist Mitglied der Schulpreis-Jury und hat die Gesamtschule gründlich inspiziert. „Die Schüler werden ständig angehalten, ihre Lernergebnisse zu präsentieren. Die Tischgruppen sind toll.“

Jury-Mitglied Schultebraucks-Burgkart sagt: „Andere Schulen können von der IGS lernen: Es braucht eine Vision. Die Lehrer brennen immer noch für ihre Schule. Das lässt sich nicht von oben verordnen.“

Professor Hans Anand Pant sagt: „Ich hätte wirklich gerne so eine Schule besucht wie die Göttinger!“

 

Wem geht es nicht so? Meinungen und Kommentare sind herzlich willkommen.

Sie suchen die beste Schule für Ihr Kind, in Ihrer Nähe?

Hier stellt die Robert Bosch Stiftung eine Übersicht aller Bewerberschulen für den Deutschen Schulpreis zur Verfügung.

Beste Grüße

Hagen Glatzle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.