Wann Hausaufgaben abgeschafft werden sollten

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Auf der Liste der benötigten Schulhefte für die zweite Klasse steht u.a. ein Hausaufgabenheft. Gleich auf der ersten Seite steht:

Liebe Eltern, … Kein Lehrer gibt Hausaufgaben auf, um die Schüler zu ärgern.

Wirklich? Warum kapiert das mein Sohn nur nicht? Hier steht es schwarz auf weiß!

Als Grund für Hausaufgaben wird die Wichtigkeit von Wiederholung angeführt:

… Aufgaben helfen, das am Vormittag Gelernte zu üben und zu wiederholen, damit es sich besser im Kopf festsetzt.

Die Frage ist: Was setzt sich fest? Dass Eltern und Lehrer am längeren Hebel sitzen? Dass Eltern wirklich ausrasten können? Dass ich noch mehr Zeit mit sinnlosen Strafarbeiten vergeuden muss, wenn ich die Hausaufgaben nicht mache? Dass mit mir etwas nicht stimmt? Dass …

Es ist etwas bedenklich, dass Wiederholung alleine als Lernmethode eingesetzt wird. Wiederholung ist natürlich wichtig, aber erst wirklich zielführend, wenn sie von möglichst viel Begeisterung begleitet wird.

Laut Neurobiologe Prof. Dr. Hüther geschieht Lernen, wenn etwas bedeutsam ist, wenn etwas Begeisterung auslöst. Neugierde und Gestaltungslust sind die essentielle Haltungen die ein Lernen aus sich selbst fördern. Wissen und Kompetenzen reichen nicht aus!

Worauf Eltern, Erzieher, Lehrer, Ausbilder und Dozenten schwerpunktmäßig achten sollten, ist die Förderung einer neugierigen und gestaltungsfreudigen inneren Haltung. Effektives Lernen muss so gestaltet sein, dass Lernende „eingeladen, ermutigt und inspiriert werden“ Neues zu entdecken.

Irgendwie passiert das mit den meisten Hausaufgaben die mein Sohn machen muss nicht. Seltsam nur, dass das auch noch im Hausaufgabenheft offen zugegeben wird:

Die wenigsten Kinder setzen sich nach der Schule begeistert an den Schreibtisch, um Hausaufgaben zu erledigen.

Als Abhilfe wird die „Begleitung durch die Eltern“ empfohlen und ein paar „Tipps für eine gut gelaunte Organisation der Nachmittagspflichten,“ bezüglich dem ‚wann‘ und ‚wie lange‘ gegeben.

Kein Wunder, dass Hausaufgaben häufig in Stress für Kind, Eltern, und Lehrer führt und dazu, dass mein Sohn jetzt schon immer öfter kein Bock auf Schule hat. Die Hausaufgaben sind überhaupt nicht dazu entworfen Begeisterung und Entdeckerdrang zu wecken.

Ein besserer Ratschlag an Eltern wäre: Seien Sie kreativ, erfinden Sie Geschichten und Vergleiche aus der Kinderwelt, die die Hausaufgaben mit der Gedankenwelt des Kindes in Verbindung bringt. Machen Sie aus dem schön geschriebenen kleinen ‚e‘ ein Krümelmonster das alle nicht schön geschriebenen auffrisst. Aus den Rechenaufgaben 7 Gurken die das Kind mit 3 fauligen Tomaten bewirft, und schon fließen die Gedanken und Emotionen in Richtung Begeisterung!

Mein Vorschlag: Solange Hausaufgaben nicht so gestaltet werden, dass die erwünschte Wiederholung Begeisterung durch Forscherdrang auslöst, sollten sie abgeschafft werden!

 

Quelle: Prof. Dr. Gerald Hüther: https://www.youtube.com/watch?v=T5zbk7FmY_0

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