Erfolg in der Schule durch schöne Fehler

Erfolg in der Schule hat sehr viel damit zu tun, wie auf Fehler reagiert wird.

Anschaulich erzählt Prof. Andrea Back in „Hurra, so ein schöner Fehler“ eine persönliche Episode aus ihrem Alltag als Mutter, die deutlich macht um was es geht.

Prof. Back erzählt, wie ihr Sohn eine benotete Schulaufgabe zur Unterschrift vorlegt und sie sich dabei ertappt, dass sie sich über die Fehler ärgert. Gleichzeitig wird ihr bewusst, dass Fehler „DIE Lerngelegenheiten“ darstellen und, dass es Lernfördernder ist, Fehler als Potential für Erfolg in der Schule zu verstehen, statt sich über sie zu ärgern.

Fehler = Misserfolg?

Einen Fehler zu beklagen, statt sich die Zeit zu nehmen auf das Lern-Potential eines Fehlers einzugehen, ist in der Tat eine Herausforderung.

Hört man hierzulande z.B.: das Wort „Fehler“ oder gar „Problem“, hat man fast unweigerlich das niederschmetternde Gefühl des Misserfolgs, das möglichst schnell hinter sich gelassen werden muss. Dabei wird leicht übersehen, dass Problem mit ‚Pro‘ (= für) beginnt und damit auch Positives beinhaltet.

Wer Fehler als Chancen für Erfolg in der Schule und Probleme als Situationen ‚für‘ Erfolg versteht, kann viel eher der Angst vor Misserfolg ein Schnippchen schlagen und mit Interesse und Entdeckergeist dazulernen.

Daher begrüße ich die Anregung von Prof. Back sehr, einen fehlerfreundlicheren Umgang einzuüben und zu pflegen, nach dem Motto „Hurra! Was für ein schöner Fehler.“

Wann tragen Fehler zum Erfolg in der Schule bei?

Zwei Elemente sind u.a. grundlegend wichtig, um der Angst vor Misserfolg den Wind aus den Segeln zu nehmen und dem Erfolg in der Schule Schub zu verleihen.

1. Grundeinstellung: Fehler sind erlaubt und als Lernkatalysator sogar wünschenswert!

Allein die Grundeinstellung von Eltern und Lehrkräften, dass Fehler ausdrücklich erlaubt sind, wirkt wunder.

2. Zeit

Zeit ist meines Erachtens das am meisten unterschätzte Element, wenn es um Erfolg in der Schule geht. Lernen nimmt immer Zeit in Anspruch. Gleichzeitig scheint Zeit häufig Mangelware zu sein. Fehler zeigen aber deutlich wofür die noch zur Verfügung stehende Zeit verwendet werden sollte.

Für Eltern, Lehrkräfte und Schüler bedeutet dies ganz einfach, dass Zeit, die man mit der möglichst gemeinsamen und von Neugier getriebenen Aufarbeitung von Fehlern verbringt, elementar zum Erfolg in der Schule beiträgt. Sich (zeitsparend) über Fehler zu ärgern kann nicht zum Erfolg führen. Wer hätte das gedacht?!

Fehler als „schöne Fehler“ zu sehen kann durchaus helfen, sich Zeit zu nehmen.

Konkret geht es darum, sich Zeit zu nehmen um nachzuforschen, warum Fehler geschehen.

Ziele können dabei sein:

    • irreführenden Verknüpfungen mit Vorwissen auf die Spur zu kommen
    • aufzudecken, wo Verknüpfungen mit Vorwissen nicht stattgefunden haben
    • Zeit und Gelegenheiten zu schaffen, fehlendes Vorwissen aufzubauen oder zu festigen.

Wie man konkret aus schönen Fehlern lernen kann, zeigt zum Beispiel die „Stolperstein-Mitbringsel-Lernkartei“, die im Lernen Heute Blog von Werner Prüher beschreiben wird.

Frohes Lernen und viel Erfolg in der Schule.

5 comments for “Erfolg in der Schule durch schöne Fehler

  1. 20. Dezember 2012 at 10:18

    Ich sehe das ein wenig anders. Fehler sind unter Umständen Momente, in denen sich alte neuronale Strukturen destabilisieren, wodurch die Möglichkeit gegeben wird neue Muster aufzubauen. Beim Erwerb von neuen Dingen gilt es daher Fehler zu vermeiden.

    Das Problem liegt in der Unterscheidung. Professor Kruse bringt es eigentlich sehr gut auf den Punkt: http://www.youtube.com/watch?v=w1BJ1KUkQoY

    Eine andere Frage ist natürlich, wie wir mit Menschen umgehen, die Fehler machen und uns dadurch den Spaß an der Sache verderben.

    • 27. Dezember 2012 at 22:45

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und den Link.
      Wie Sie schon erwähnen: „Das Problem liegt in der Unterscheidung“.
      Im Allgemeinen bin ich überzeugt, dass ein fehlerfreundlicherer Umgang nottut.

  2. 24. Juli 2012 at 11:54

    Ich glaube ich habe mir immer Sorgen gemacht wenn meine Kinder Fehler gemacht haben und habe nie das Positive darin gesehen. Jetzt habe ich eine ganz andere Einstellung gegenüber Fehlern und problemen. Der Artikel ist echt gut geschrieben und regt zum Nachdenken an. Danke

    • 24. Juli 2012 at 22:06

      Hi Nanny,
      schön! Ihr Feedback freut mich sehr.
      Fehler als Sprungbrett für Erfolg zu sehen ist tatsächlich sehr befreiend!
      Ich wünsche viele gute Erfahrungen mit ’schönen‘ Fehlern 🙂
      Schöne Grüße,
      Hagen Glatzle

      • 8. August 2012 at 15:37

        Vielen Dank 🙂
        Liebe Grüße

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