Englische Grammatik schneller lernen durch Verknüpfung mit Vorwissen: Ein Fallbeispiel

Englische Grammatik schneller lernen durch Verknüpfung mit Vorwissen,
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Wie in einem vorherigen Artikel erwähnt, ist Vorwissen das wichtigste Kriterium für den Lernerfolg. An zweiter Stelle liegt Intelligenz und an dritter Stelle Motivation.

Dieser Artikel ist ein Fallbeispiel aus meiner Unterrichtspraxis zur Lernmethode Neues mit Vorwissen verknüpfen mit der man schneller lernen kann. Dieses Fallbeispiel zeigt,  dass es mit dieser Lernmethode auch möglicist trockene und ‚langweilige‘ Lerninhalte begreifbar zu machen.

Der Kerngedanke ist schlicht und einfach die aktive und Sinn-erfüllte Verknüpfung von neuen Lerninhalten mit bereits vorhandenem Wissen.

  • Thema des Fallbeispiels: Englische Grammatik: Verlaufsform der Gegenwart (Present Continuous / Progressive)
  • Anmerkung: Continuous und Progressive sind gleichbedeutend.
  • Lernziel: Bildung und Anwendung des Present Continuous inhaltlich begreifen
  • Lernstufe A1 – B2 (vgl. Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen)
  • Zielgruppe: Erwachsene (auch für Kinder und Jugendliche geeignet)

Das Fallbeispiel

Erklärung: „In der Verlaufsform der Gegenwart geht es darum, dass in dem Zeitraum, den wir Gegenwart nennen, etwas am geschehen ist.“

  • Ich nehme einen Karton und schreibe ‚Gegenwart‘ drauf.

„Wir stellen uns vor, wir spielen gerade Ping-Pong (Tischtennis)“.

  • Ich werfe einen Pin-Pong-Ball in den Karton und rolle ihn hin und her, so dass er an den Seitenwänden (der Gegenwart) deutlich abprallt.

  • Der Ball wird weiter hin und her gerollt und gleichzeitig wird wiederholt, dass etwas in der Gegenwart im Verlauf ist zu geschehen = Present Continuous

  • Ich nehme den Ball heraus und lasse ihn auf der Tischplatte ein paar mal laut und deutlich abprallen.

„Genau wie dieser Ball (P)ing, (P)ing, …ing, …ing macht, genauso wird an jedes Verb ein …ing angehängt, wenn wir ausdrücken wollen, dass etwas im Verlauf ist zu geschehen.“

Frage: „Was braucht man denn unbedingt noch, um Ping-Pong zu spielen?“

Mögliche Antwort: „Schläger“

Erklärung: „Genau! Ohne Schläger ist die Verlaufsform unbrauchbar. Die Schläger sind seeeehr wichtig. In der Verlaufsform der Gegenwart gibt es drei Schläger.“

  • Ich zeichne drei Schläger an die Tafel

„Diese drei Schläger sind die Hilfsverben, die man unbedingt zusammen mit dem …ing braucht, wenn wir ausdrücken wollen, dass etwas momentan im Verlauf ist zu geschehen.“

  • Ohne Schläger kein Ping-pong. Ohne Hilfsverb keine Verlaufsform.

  • Ich zeichne den Ball an die Tafel und ein Strichmännchen, das mit aller Kraft den Ball anschiebt.

„Wenn wir die Schläger genauer anschauen ist jeder etwas anders gestaltet.

Schläger 1: Auf diesem hier steht auf der einen Seite ganz groß ‚am‚ drauf.“

  • Ich schreibe ‚am‘ auf den ersten Schläger.

„Die andere Seite ist ein Spiegel. Wenn ich rein schaue, sehe ich mich selbst. Das steht für die erste Person Einzahl „Ich“. Diesen Schläger muss ich also verwenden, wenn ich sagen möchte: Ich spiele gerade Ping-Pong. Iam playing ping-pong.“

  • Die beiden Sätze schreibe ich an die Tafel

Schläger 2: „Auf dem zweiten Schläger steht auf der einen Seite ganz groß ‚are‚ drauf. Auf der anderen Seite ist ein Bild aufgeklebt von deinem direkten Tischnachbarn. Schau dir deinen Nachbarn genau an. Dieser Schläger wird also verwendet, wenn wir sagen wollen, dass ‚du‘ gerade etwas tust. Die zweite Person Einzahl.

Auf diesem Schläger ist aber noch ein Bild aufgeklebt. Ein Gruppenbild der Klasse. Das bedeutet, dass dieser ‚are‚ Schläger auch verwendet wird, wenn wir sagen wollen, dass mehrere Personen gerade dabei sind etwas zu tun. z.B. Wir / Ihr / Sie / spielen gerade Ping- Pong. We / You / They are playing ping-pong.“

  • Ich schreibe diese Sätze an die Tafel.

Schläger 3: „Auf dem dritten und letzten Schläger steht auf der einen Seite ganz groß „is“. Auf der anderen Seite ist ein Bild von deinem Bruder (er/he), von deiner Schwester (sie/she) und von deinem Haustier (es/it). Dieser Schläger wird also verwendet, wenn wir sagen wollen, dass eine dritte Person, (er, sie, es) gerade etwas tut. He is talking.

  • Ich schreibe Beispielsätze an die Tafel.

Zusammenfassung:

“So, nun haben wir die Grundstruktur der Verlaufsform der Gegenwart (Simple Continuous) mit Dingen verknüpft, die wir bereits kennen. Die aktive Verknüpfung mit Vorwissen erleichtert die Wiederholung und bewirkt, dass wir schneller lernen. Sehr wichtig bei der Wiederholung ist die Sinn-Frage Warum?

Aufgabe: Geht nun dieses Tafelbild noch einmal durch und beantwortet die Fragen:

  • Warum der Karton?
  • Warum der Ping-Pong-Ball?
  • Warum der Schläger?
  • Wann welcher Schläger?
  • Wann kommt das Ping-Pong Prinzip zum Einsatz?“

So weit der Auszug aus dem Unterrichtsalltag.

Dieses Fallbeispiel zeigt …

  • Wie auch bereichsfremdes Vorwissen genutzt werden kann, um bereichsspezifisches Vorwissen aufzubauen

  • Dass die spätere Wiederholung und das Nachvollziehen und Begreifen von Zusammenhängen vereinfacht wird. Wer weiß wie ein Tischtennisball aussieht und sich anhört, wird nach dieser Erklärung mehr mit der Verlaufsform der Gegenwart anzufangen wissen, als wenn diese Verknüpfungen nicht gemacht worden wären.

  • Schneller lernen: der Faktor Lernzeit wird effektiver genutzt, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Lerninhalte korrekt nachvollzogen, wiederholt und begriffen werden, deutlich ansteigt

  • Dass Motivation nicht vorausgesetzt werden muss, um Neues erfolgreich zu lernen. (Wer ist schon motiviert englische Grammatik zu lernen?)

Vorgehensweise

  1. Aktive Suche nach Verknüpfungspunkten mit Vorwissen. Leitfrage: Woran erinnert mich der Lerninhalt? In diesem Fall:
  • An was erinnert mich das …ing?

  • Wie kann das abstrakte Konzept „Hilfsverb“ begreifbar gemacht werden?

  1. Wie sinn-erfüllt sind die Verknüpfungen? In diesem Fall:

  • Wie kann das Konzept „Verlaufsform“ und die Bildung (Hilfsverb + …ing) mit Vorwissen verknüpft werden, damit Zusammenhänge klarer werden und der Sinn begreifbar und leicht nachvollziehbar wird?

Grundlegend kann zusammengefasst werden:

  1. Lernen braucht Verknüpfungen. Je mehr Brücken zu bestehendem Wissen vorhanden sind, desto leichter gelingt die Wiederholung und somit die Verankerung im Langzeitgedächtnis!

  2. Schneller lernen ist möglich, wenn bewährte Lernstrategien genutzt werden, insbesondere Lehr- und Lernstrategien, die eine aktive Sinn-erfüllte Verknüpfung neuer Lerninhalte mit Vorwissen ermöglichen.

 

 

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