Wie Emotionen zum besseren Lernen beitragen.

Ist Lernen Spürbar?Emotion und Lernen

Die Gehirnforschung der letzten Jahre macht deutlich, dass Emotionen und Lernen sehr eng miteinander verknüpft sind.

Im Gehirn befindet sich z.B. eine Neuronenansammlung (Area 10), die alle eingehenden Informationen bewertet und vergleicht. „Solange alles nach Plan läuft … tut dieses Modul nichts. Geschieht jedoch etwas, das besser ist als erwartet, dann feuert das Modul“ den opiumähnlichen Neurotransmitter Dopamin. (alle Zitate Prof. Manfred Spitzer)

Wofür ist körpereigenes Dopamin gut?

Dopamin, das direkt ins Frontalhirn ausgeschüttet wird, bewirkt, dass man sich besser konzentrieren, besser denken und Informationen besser verarbeiten kann. Gleichzeitig bewirkt Dopamin, dass mehr Synapsen aktiviert werden, was dazu führt, dass Neues besser und langfristiger abgespeichert wird.

Dieses ‚bessere Lernen‘ wird sogar spürbar in Form der Emotion Glück.

Warum Lernen mit Freude ‚besser‘ ist.

Neue Lerninhalte, die im Emotionsmodus ‚Freude‘ gelernt werden, werden mit Hilfe des Hippocampus gespeichert und abgerufen.

Der Hippocampus gilt als Kurzzeitspeicher von Einzelheiten und als Downloadmodul von neuen Lerninhalten in den Langzeitspeicher (Großhirnrinde). Wichtig ist, dass nicht die Einzelheiten in der Großhirnrinde abgespeichert werden, sondern allgemeine Regeln und Zusammenhänge, die aus den unzähligen Einzelheiten abgeleitet werden.

Zum Beispiel wird im Langzeitspeicher eines Kleinkindes nicht gespeichert wann und wo es auf welche Po-Backe gefallen ist, sondern das, was aus den vielen ‚Fallbeispielen‘ zu lernen ist, damit ein sicheres Gehen auf zwei Beinen möglich ist.

Was also über den Hippocampus in den Langzeitspeicher (Großhirnrinde) gelangt, wird so gespeichert, dass es zur kreativen und assoziativen Problemlösung abgerufen werden kann. (Die sich daraus ergebende Fähigkeit Probleme zu lösen, kann gemessen werden und wird allgemein als Intelligenz Quotient (IQ) ausgedrückt.)

Warum die Fähigkeit zur kreativen und assoziativen Problemlösung ‚besser‘ ist für den schulischen und beruflichen Erfolg wird deutlicher durch folgende Ausführungen.

Lernen durch ‚Angst‘

Neue Lerninhalte, die im Emotionsmodus ‚Angst‘ gelernt werden, werden mit Hilfe des Mandelkerns gespeichert und abgerufen. Der Mandelkern ist zuständig für impulsive Reaktionen der Flucht und des Kampfes, die der Lebenserhaltung oder dem Schutz dienen.

Zum Beispiel reicht meist das einmalige Berühren einer heißen Herdplatte aus, um sich in Zukunft vor diesem Fehler zu schützen. Auch das (Flucht-) Verhalten beim Sichten eines als ‚gefährlich‘ erlebten Tieres (Schlange, Hund) wird über den Mandelkern gespeichert und abgerufen.

Was also über den Mandelkern gespeichert und abgerufen wird, dient nicht der kreativen und assoziativen Problemlösung, sondern einem eher impulsiven Schutz- und Fluchtverhalten.

„Angst produziert einen kognitiven Stil, der das rasche Ausführen einfacher gelernter Routinen erleichtert und das lockere Assoziieren erschwert.“

Für Mathematik und Physik z.B. ist aber eine kreative Problemlösungsfähigkeit von großer Bedeutung. Hier reicht es nicht aus routinemäßig gelernte Zahlen und Formeln aufzusagen.

Um erfolgreich zu lernen muss die emotionale Atmosphäre stimmen

Angst wird zwar heute nicht mehr mit dem Rohrstock verbreitet, dafür aber über viele andere Verhaltensweisen wie Zynismus, Ironie, mangelnde individuelle Förderung, Mobbing etc.

Professor Manfred Spitzer zum Ernst der Lage:

Wer die Schule als „den Ernst des Lebens“ versteht, könnte kaum weiter von dem entfernt liegen, was die Gehirnforschung zum Lernen zu sagen hat! Und wenn ein Schulrat nach dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden öffentlich im Fernsehen sagt, dass Schule nun einmal keinen Spaß mache und man da „durch“ müsse (und seinen Job danach nicht verliert), dann zeigt dies, wie weit die Praxis des Lernens hierzulande von den Erkenntnissen der Gehirnforschung noch entfernt ist.

Das bloße Bewusstsein dieser Zusammenhänge kann uns helfen einfühlsamer miteinander umzugehen um in möglichst angstfreien Lernatmosphären besser zu lernen. (Dies gilt in allen Richtungen, Lehrkraft – Schüler, Schüler – Lehrkraft, Eltern – Kinder, Schüler – Schüler, etc.)

Quelle und Zitate:

Manfred Spitzer, Medizin für die Bildung – Ein Weg aus der Krise. Heidelberg, Spektrum Verlag 2010

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5 comments for “Wie Emotionen zum besseren Lernen beitragen.

  1. 3. Juni 2013 at 16:50

    Hallo Hagen,

    dass positive Gefühle jedes Lernen (positiv) beeinflussen können, ist ja eigentlich eine Binsenweisheit. Aber das allein reicht natürlich nicht, auch wenn Deutschlands Wunderprediger SPITZER und vor allem HÜTHER das gern in den Vordergrund stellen. Deshalb habe ich unter der Rubrik „Kann Intelligenz gelernt werden?“ ausführlicher dazu Stellung genommen.
    Wer zum Lernproblem (Dyskalkulie) mehr dazu wissen möchte, möge einen Blick auf meine Homepage unter
    http://www.kidstudie.de werfen.

    Ansonsten finde ich die Themenangebote auf diesen Seiten sehr anregend.
    Mit freundlichen Grüßen
    Helmut H e i n z

  2. 17. Juni 2011 at 14:48

    Vielen Dank, Denis.

    • H. Busch
      29. März 2017 at 11:47

      Lieber „admin“,
      bist Du gestorben oder warum dieser Trauerrand?
      Ansonsten Dank für Denkstoff.
      Gruß,
      H. Busch

      • 7. April 2017 at 10:06

        Hallo H.Busch
        Ich entschuldige mich für den schwarzen Rand. Leider erlaubt es mir das Theme nicht, dies zu ändern. Momentan habe ich auch keine Zeit ein neues Theme einzurichten.
        Ansonsten, Danke für das Feedback.
        Beste Grüße
        Hagen

  3. Denis
    14. Juni 2011 at 21:57

    Ich bin gerade eben durch Zufall auf den Blog gekommen. Gefaellt mir bis jetzt sehr.

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