Hilfreiches Hintergrundwissen, damit Sie mit der Routenmethode so richtig Spaß und Erfolg haben.

Artikel II (Routenmethode)

Liebe LeserIn,

wie versprochen, finden Sie nachfolgend weitere Tipps und Hintergrundinformationen, wie Sie mit der Routenmethode viel Spaß und Erfolg haben.

Zuerst eine Begriffserklärung:

Was genau ist eine ‚Route‘?

Unter einer Route versteht man in der Mnemotechnik einen natürlichen Ablauf aus dem Alltag, mit Gegenständen als fixe Bezugspunkte. In unserem Beispiel (Artikel vom 11 Januar 2011) liegt die Route im Badezimmer, der Ablauf ist: baden, abduschen, aus Badewanne steigen, abtrocknen, vor Spiegel stehen, etc. die fixen Bezugspunkte sind: Badewanne, Duschkopf, Badematte, Handtuch, Spiegel etc. Nun werden neue Lerninhalte möglichst emotional mit diesen Bezugspunkten verknüpft: Nach dem Joghurtbad duschen wir uns mit Karrottensalat ab, treten auf die Bergkäsebadematte, trocknen uns mit einer riesigen Scheibe Salami ab, betrachten verliebt unsere Brokkoli-Rastas im Spiegel etc.

Wo können Routen angelegt werden?

Routen können überall angelegt werden: Markante Gegenstände in einem Zimmer (Wohnzimmer, Klassenzimmer, Büro), im Garten, der Schulweg, der Weg ins Büro, Einkaufstour, etc.

Was muss ich tun um die Verknüpfungspunkte sicher wieder zu finden?

Damit Sie die Verknüpfungspunkte sicher wiederfinden, sollten Routen unbedingt logisch und natürlich nachvollziehbar sein. Zum Beispiel: Baden, abduschen, aus Badewanne steigen, abtrocknen (nicht: baden, abtrocknen, abduschen …)

So kann die Effektivität gesteigert werden:

Noch effektiver wird es, wenn die Bezugspunkte als feste Route nummeriert werden. In unserem Beispiel:

  1. = Badewanne,
  2. = Duschkopf,
  3. = Badematte,
  4. = Handtuch,
  5. = Spiegel,
  6. = WC,
  7. = Tagescreme,
  8. = Türklinke,
  9. = Spülkasten,
  10. = Badezimmerdecke.

Eine so gestalte Liste macht es z.B. ohne weiteres möglich, neue Lerninhalte auch durcheinander aufzusagen. Was war der fünfte Punkt auf unserer Einkaufsliste? Was war der zweite? Auch der nächste Zahnarzttermin am 5. Februar kann einfach mit dem 5. Punkt einer Liste verknüpft werden.

Profis legen sich mehrere 100er Listen an.

Eine Liste mit 100 Bezugspunkten lässt sich fast genau so leicht anlegen wie eine 10er Liste.

  • Die Bezugspunkte 1-10 legen Sie im Schlafzimmer an,
  • 11-20 im Bad (dahin gehen Sie nach dem Aufstehen),
  • 31-40 in der Küche (dahin gehen Sie nachdem Sie im Badezimmer fertig sind),
  • 41-50 im Esszimmer
  • und so weiter.

Systematisch vorgehen.

Beim anlegen von Listen ist es hilfreich, nach demselben Muster vorzugehen. Zum Beispiel immer links anfangen und die Bezugspunkte im Uhrzeigersinn festlegen. Sollten sich zwei Verknüpfungspunkte an derselben Stelle übereinander befinden, dann entweder immer den oberen zuerst wählen oder umgekehrt. Die Reihenfolge und Struktur Ihrer Listen sollten immer dieselbe sein.

Wozu dient die Route?

Die Route dient lediglich als Gerüst, mit dem neue Lerninhalte verankert werden, bis man sie häufig genug wiederholen konnte und sie im Langzeitgedächtnis verankert sind, oder die Inhalte nicht mehr benötigt werden. Das Gehirn ‚vergisst‘ nach etwa ein bis zwei Wochen eine ‚belegte‘ Route und gibt die Route frei für andere Inhalte. Mehrere Listen anzulegen ist also sinnvoll.

Warum funktioniert die Routenmethode so gut?

Besonders erfolgreich ist diese Methode, weil wir neue Lerninhalte nicht abstrakt (zusammenhanglos) lernen, sondern mit etwas verknüpfen, das wir schon kennen/wissen. Um sich an neue Lerninhalte zu erinnern, muss nur in gedanken die Route abgelaufen werden, um an jedem Bezugspunkt – über den Zusammenhang – den neuen Lerninhalt wieder in Erinnerung zu rufen. Dies geschieht erstaunlich leicht, je emotionaler die Verknüpfung ist.

Hieraus ist eine der wichtigsten Grundsätze für erfolgreiches Lernen abzuleiten:

Wenn es uns gelingt, neue Lerninhalte in einer leicht nachvollziehbaren Reihenfolge und besonders emotional mit unserem Vorwissen zu verknüpfen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns erinnern, um ein Vielfaches.

Ist das, was ich mit der Routenmethode lerne, automatisch im Langzeitgedächtnis?

Nein. Um die Routenmethode für das Langzeitgedächtnis zu nutzen, kommt es einzig auf die Anzahl der Wiederholungen an. Wiederholung ist der Schlüssel zum Speichern von Daten und Fakten im Langzeitgedächtnis. Wiederholen Sie neue Inhalte mindestens 6 mal innerhalb 4 Tagen um sie im Langzeitgedächtnis zu speichern.

Übrigens: Das Wiederholen von neuen Lerninhalten, die Sie sich mittels der Routenmethode aneignen, ist äußerst Zeitsparend, da Sie nicht an Ihren Schreibtisch gebunden sind. Unsere Einkaufsliste könnten Sie zum Beispiel während dem Kochen, Duschen, Fahren usw. quasi nebenher wiederholen. Mit herkömmlichen Methoden müssten Sie sich mehrfach 2-3 Minuten Zeit nehmen, um Ihre aufgeschriebenen Notizen durchzulesen. Die Möglichkeit neue Lerninhalte quasi ’nebenher‘ zu wiederholen, ist zum Beispiel beim Lernen von Vokabeln von großem Vorteil.

Manche Verknüpfungen fallen mir einfach nicht mehr ein.

Sollten Sie beim Wiederholen feststellen, dass eine Verknüpfung nicht stark genug war, dann fügen Sie der Verknüpfung etwas besonders Emotionales hinzu. Zum Beispiel die Badetürschlagsahnebecherklinke und die Wohnungstürschlagsahnebecherklinke platzen beide und Sie rutschen auf der Sahne aus, direkt in die Arme des Klempners! Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann freue ich mich über Ihren Kommentar.

Viel Freude beim ausprobieren.

Liebe Grüße

Hagen Glatzle

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